KI Chatbot
Die Universität zu Köln hat in ihrem öffentlichen EduLabs-Kurs „Crashkurs (Generative) Künstliche Intelligenz“ in einem KI-Lab KI-Chatbots eingebaut, die durch OSKI.nrw bereitgestellt und an der Universität zu Köln betrieben werden. Das allgemeine Chatbot-Interface basiert auf dem Plugin AIChat von SURLABS. Die in den ILIAS-Kurs eingebetteten KI-Chatbots werden durch eine auf dem AIChat aufbauende Eigenentwicklung umgesetzt. Als KI-Modell wurde zum Zeitpunkt des Tests Mistral-Small-3.2-24B-Instruct von Mistral.ai eingesetzt.
Unser Test konzentriert sich auf die Barrierefreiheit und Usability der Chatoberflächen für Nutzer*innen mit Behinderungen. Die Leistungsfähigkeit der KI-Modelle haben wir nur am Rande geprüft.
Herstellerangaben zur Barrierefreiheit
Für denAIChat von Surlabs liegen derzeit keine öffentlich einsehbaren Angaben zur Barrierefreiheit vor.
Testergebnisse
Stand: März 2026
Grundsätzlich können die KI Chatbots mit allen assistiven Technologien und Arbeitstechniken genutzt werden. Alle wesentlichen Funktionen sind zugänglich. Dennoch gibt es einige Barrieren, die die Nutzung vor allem mit Screenreadern erheblich erschweren. Sie haben aber auch Auswirkungen für andere Nutzungsweisen. Die Barrieren betreffen vor allem das Fokusmanagement und die fehlende Strukturierung der Chatverläufe.
Im Folgenden werden die Testergebnisse dokumentiert und Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Chatoberfläche gegeben. Didaktische Empfehlungen für den didaktischen Einsatz der Chatbots ergeben sich aus unseren Tests nicht.
Die Testergebnisse sind nach verwendeter Hilfstechnologie bzw. Arbeitstechnik sortiert. Es werden zunächst die Barrieren und dann Hinweise für die Nutzung mit der jeweiligen Hilfstechnologie aufgeführt. Es folgen Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Chatbots.
Wir haben die Chatbots mit geschulten studentischen Hilfskräften mit unterschiedlichen Behinderungsprofilen getestet. Die Tester*innen arbeiten entsprechend ihrer unterschiedlichen Behinderungsprofile mit verschiedenen Arbeitstechniken:
- Blindheit und Sehbeeinträchtigung
- Screenreader-Nutzung JAWS und NVDA
- Vergrößerung
- Neurodivergenz und Teilleistungsstörungen (Autismus, ADHS, Leserechtschreibschwäche)
- Darkreader
- Sprachausgabe
- Je nach Bedarf unterschiedliche Techniken zur Vereinfachung der Ansichten und Ausblendung von ablenkenden Elementen.
- Motorische Beeinträchtigungen
- Tastaturbedienung
Getestet wurden drei Chatbots des KI-Labs im Crashkurs:
- KI Lab Textarbeit
- KI Lab Dateien und Kontext
- Allgemeiner Chatbot
Die Tests fanden im Februar und März 2026 statt.
Übersicht: Usability bei verschiedenen Arbeitstechniken
| Hilfsmittel/Arbeitstechnik | Testergebnis | Empfehlung |
|---|---|---|
| Screenreader und Sprachausgabe | funktioniert mittelmäßig | o |
| Vergrößerung/Kontraste | funktioniert gut | + |
| Tastaturbedienung | funktioniert mittelmäßig | o |
| Neurodivergenz und Teilleistungsstörungen | funktioniert gut | + |
+ = gut geeignet; o = mittelmäßig geeignet, Anpassungen nötig; − = ungeeignet
Hinweise für Nutzer*innen
Die Chatbots sind zugänglich und alle Funktionalitäten können genutzt werden. Zwei Probleme erschweren die Nutzung jedoch: das mangelhafte Fokusmanagement erschwert das Auffinden von Chats und die Orientierung innerhalb des Chatverlaufs. Die semantische Auszeichnung in den Chatverläufen ist unvollständig. So wurden trotz Aufforderung in den Prompts keine semantisch ausgezeichneten Überschriften ausgegeben, die für Screenreader wahrnehmbar sind.
Barrieren
Allgemeine KI-Chatbot:
Das Fokusmanagement der allgemeinen Chatbots ist mangelhaft: Der Screenreader-Nutzende erhält keine Statusmeldung, wenn eine Antwort erschienen ist. Nach dem Abschicken des Prompts bleibt der Fokus auf dem nicht verfügbaren Schalter (NVDA) oder springt zum Anfang der Seite (JAWS). Deshalb müssen die Nutzenden die Antwort im Chatverlauf mühsam suchen.
Es ist schwer, sich innerhalb langer Chatverläufe zu orientieren, weil es keine Möglichkeit gibt, sich mit der Tastatur von Antwort zu Antwort oder von Prompt zu Prompt zu bewegen. Der Beginn der Antwort ist nur daran erkennbar, dass ein Bild (Alt-Text Grafik Assistant) vor dem Antworttext steht. Um schnell durch den Text zu scrollen, können sich die Screenreader-Nutzenden mit Strg-Pfeil von Abschnitt zu Abschnitt oder von Überschrift zu Überschrift bewegen. Aber nicht alle Antworten werden mit Überschriften ausgezeichnet.
Es ist schwer, einen Chat aus der Übersicht heraussuchen, weil die Chats keine Überschrift haben, sondern der erste Prompt vorgelesen wird.
Der Absendebutton im Eingabefeld ist nicht beschriftet.
Im Kurs integrierte KI-Chatbots:
Es ist schwer, sich innerhalb langer Chatverläufe zu orientieren, weil es keine Möglichkeit gibt, sich mit der Tastatur von Antwort zu Antwort oder von Prompt zu Prompt zu bewegen. Der Wechsel zwischen Prompt und Antwort wird nicht angesagt.
Positive Befunde:
Wenn in den Antworten Überschriften, Listen oder Tabellen vorhanden sind, sind sie semantisch aufgezeichnet und für Screenreader lesbar.
Die in den Kurs integrierten KI-Chatbots lesen die Antwort automatisch vor, sobald sie fertiggestellt sind. Die Nutzer*innen müssen nicht selbst aktiv werden.
Integrierter Chatbot: Die Qualität der erzeugten Alternativtexte für hochgeladenen Bilder wurde von den Testpersonen für gut und hilfreich empfunden.
Hinweise für die Nutzung
Allgemeiner Chatbot:
- Der Absendebutton im Eingabefeld für die Prompts ist nicht beschriftet. Man kann den Prompt durch Enter abschicken.
- Nach dem Absenden des Prompts bleibt der Fokus am Ende des Chats (NVDA) oder springt an den Anfang der Internetseite (JAWS). Es gibt keine Meldung, wenn die Antwort erschienen ist. Die Nutzenden müssen deshalb selbst zur Antwort navigieren. Mögliche Techniken:
- NVDA: Mit Rückwärts-Tab zum ersten Prompt des Chatverlaufs springen, dann mit Strg + Pfeil herunter absatzweise durch den Chatverlauf bewegen. Bei langem Chatverlauf vom Ende mit Strg + Pfeil nach oben absatzweise hochbewegen.
- JAWS: Mit F (Formularfeld) zum Eingabefeld durchklicken und dann nach oben bewegen.
Um schnell durch den Text zu scrollen, können sich die Screenreader-Nutzenden mit Strg-Pfeil von Abschnitt zu Abschnitt oder von Überschrift zu Überschrift bewegen. Aber nicht alle Antworten werden mit Überschriften ausgezeichnet.
- In der Liste des Chats haben die Chats keine Überschriften, sondern zitieren den ersten Prompt. Es empfiehlt sich deshalb, bei jedem neuen Chat den ersten Prompt mit einem aussagekräftigen Stichwort zu beginnen.

Beide Chatbots lassen sich erhöhtem Kontrast- und Vergrößerungsbedarf bedienen, alle Funktionalitäten können genutzt werden. Es gibt dennoch einige Probleme bei
Barrieren
Im Kurs integrierte KI-Chatbots:
- Die Anzeige der benutzen Zeichen unter dem Eingabefenster ist nicht kontrastreich genug (Verhältnis rot/schwarz 3,2:1), siehe Screenshot 1.
- Bei einer Vergrößerung ab 200 Prozent können die Nutzer*innen nicht wahrnehmen, wann eine Antwort erschienen ist, da der Fokus nicht automatisch zum Anfang der Antwort springt, sondern im Eingabefeld bleibt. Der Bildausschnitt ist bei der Vergrößerung so klein, dass die Nutzer*innen nicht sehen können, ob oberhalb des Eingabefelds Text erschienen ist. Es lässt sich nur daran erkennen, dass die Statusmeldung „Nachdenken“ verschwunden ist, siehe Screenshot 2 und Screenshot 3. Sie müssen nach oben scrollen.
Usability-Probleme
Im Kurs integrierte KI-Chatbots:
- Es gibt keine Möglichkeit, den Hintergrund, die Schriften und die Schriftgrößen einzustellen. Für die Testperson war der vorgegebene Darkmode nicht gut wahrnehmbar. Der Chatbot übernimmt allerdings in Firefox benutzerdefinierte Einstellungen. Damit kann der Darkmode des Chatbots verändert werden.
Positive Befunde:
Der Chatbot übernimmt in Firefox benutzerdefinierte Einstellungen. Damit können Nutzer*innen den Darkmode des Chatbots verändern.
Hinweise für die Nutzung:
Wenn der Darkmode des Chatbots für Nutzenden nicht lesbar ist, lassen sich im Browser Firefox in den benutzerdefinierten Einstellungen der Hintergrund und die Schriftfarben nach den individuellen Bedarfen einstellen. Die Einstellungen werden vom Chatbot übernommen.
Die Chatbots lassen sich mit der Tastatur bedienen und es sind fast alle Funktionalitäten erreichbar. Im allgemeinen Chatbot sind die gespeicherten Chats nicht mit der Tastatur erreichbar, sodass frühere Chats nicht geöffnet werden können.
Barrieren
Im allgemeinen Chatbot kann die Liste der gespeicherten Chats nicht mit der Tastatur erreicht werden.
Neurodivergenz und Teilleistungsstörungen wirken sich sehr individuell aus. Die Rückmeldungen aus dem Test sind daher nicht automatisch auf alle Personen in gleicher Ausprägung übertragbar. Die wiederkehrenden Beobachtungen zeigen dennoch typische Barrieren und geben Hinweise für eine barrierefreie Gestaltung.
Die Chatbots konnten im Wesentlichen barrierefrei genutzt werden. Es gab allerdings den Bedarf nach einer besseren Übersichtlichkeit der Chatoberfläche.
Barrieren
Allgemeiner Chatbot:
In der mobilen Ansicht überdeckt das Fenster der Chats den aktuellen Chat. Das Fenster lässt sich nicht schließen. Die Nutzenden kommen nur durch Neuladen der Seite wieder zum aktuellen Chatverlauf.
Usability-Probleme:
Im allgemeinen Chat ist es schwierig, einzelne Chats wiederzufinden, da in der Übersicht jeweils der Anfang der ersten Frage angezeigt wird. Hilfreich wäre es, wenn die Nutzenden die Namen der Chats umbenennen können.
Der Chatbot hat Prompt-Anweisungen zu einer angepassten Darstellung mit einer übersichtlichen Gliederung und verständlichen Sprache gut umgesetzt, allerdings immer nur für die jeweilige Antwort. Wünschenswert wäre eine Option, diese Einstellungen durch eine persönliche Konfiguration für alle Chatverläufe zu speichern.
Hinweise für die Nutzung:
Geben Sie im Prompt an, wie die Antwort gestaltet sein, damit Sie sie gut wahrnehmen können, z.B. klare Strukturierung mit Überschriften, Listen und Angaben zur Verständlichkeit und Länge des Texts.
Hinweise für Entwickler*innen
Wir führen die in den Tests gefundenen Barrieren hier sortiert nach den Richtlinien der gültigen europäischen Norm EN 301 549 auf, auf die die BITV 2.0 des Bundes und der Länder verweisen. Die Richtlinien beschreiben die zu erfüllenden Erfolgskriterien. In der WCAG 2.2 sind zusätzlich Techniken angegeben, wie die Kriterien erfüllt werden können. BITV, EN 301 549 und die WCAG 2.2 sind deshalb wichtige Dokumente für die Entwickler*innen, um ihre Anwendungen barrierefrei zu programmieren. Der ARIA Authoring Practices Guide der W3C gibt zudem Hinweise zur Programmierung barrierefreier Webseiten. Die Nummern der Überschriften entsprechen den Kapitelnummern der EN 301 549.
9.1 Wahrnehmbar
9.1.3 Anpassbar
9.1.3.1 Info und Beziehung
Es ist schwer, in langen Chatverläufen navigieren, weil es keine sinnvollen Überschriften gibt, mit denen die verschiedenen Prompts oder Antworten angesprungen werden können. Chatgpt und Copilot haben für Prompts und Antworten die Überschriften h5 und h6 reserviert. Damit können Screenreadernutzende zuverlässig von Prompt zu Prompt oder zu Antwort springen.
Da es bei langen Chatverläufen auch für sehende Nutzer*innen schwierig ist, sich schnell von Prompt zu Prompt zu bewegen, empfehlen wir noch die Implementation eines zweiten Mechanismus, der es ermöglicht mit der Tab-Taste von Prompt zu Prompt zu springen.
Im allgemeinen Chatbot sind die einzelnen Chats schwer wiederzufinden, da sie keine Überschrift tragen, sondern lediglich den ersten Prompt wiederholen. Wir empfehlen, die Umsetzung anderer Chatbots zu übernehmen und den Chatnamen mit einem Stichwort als Überschrift zu bezeichnen, den die Nutzer*innen ändern können.
9.1.4 Unterscheidbar
9.1.4.4 Auf 200 Prozent vergrößerbar und 9.1.4.10 Inhalte brechen um
Bei einer Vergrößerung ab 200 Prozent können die Nutzer*innen nicht wahrnehmen, wann eine Antwort erschienen ist, da der Fokus nicht automatisch zum Anfang der Antwort springt, sondern im Eingabefeld bleibt. Der Bildausschnitt ist bei der Vergrößerung so klein, dass die Nutzer*innen nicht sehen können, ob oberhalb des Eingabefelds Text erschienen ist. Es lässt sich nur daran erkennen, dass die Statusmeldung „Nachdenken“ verschwunden ist, siehe Abb. 2 und Abb. 3. Die Nutzer*innen müssen nach oben scrollen, um die Antwort zu sehen.
9.1.4.11 Kontraste von Grafiken und grafischen Bedienelementen ausreichend
Die Anzeige der benutzen Zeichen unter dem Eingabefenster ist nicht kontrastreich genug (Verhältnis rot/schwarz 3,2:1), siehe Abb. 1.
9.2 Bedienbar
9.2.1 Tastaturbedienbar
9.2.1.1 Ohne Maus bedienbar
Im allgemeinen Chat ist die Liste der gespeicherten Chats mit der Tastatur nicht erreichbar.
9.2.1.2 keine Tastaturfalle
In der mobilen Ansicht überdeckt das Fenster der Chats den aktuellen Chat. Das Fenster lässt sich nicht schließen. Die Nutzenden kommen nur durch Neuladen der Seite wieder zum aktuellen Chatverlauf.
9.4 Robust
9.4.1 Kompatibel
9.4.1.2 Name, Rolle, Wert
Im allgemeinen Chatbot ist der Absendebutton im Eingabefeld nicht beschriftet.
9.4.1.3 Statusmeldungen programmatisch verfügbar
Neue Antworten des Chatbots werden nicht zuverlässig als Statusänderung vermittelt. Screenreader geben das Erscheinen der Antwort nicht aus, und bei 200 Prozent Vergrößerung liegt die Antwort oft außerhalb des sichtbaren Bereichs. Nutzende müssen die neue Antwort daher manuell im Chatverlauf suchen. Damit wird die Statusänderung „Antwort eingegangen“ nicht so bereitgestellt, dass sie von assistiven Technologien oder bei eingeschränktem Sichtfeld infolge starker Vergrößerung unmittelbar wahrgenommen werden kann. Die Antwort könnte als ARIA Live-Region (=polite) ausgezeichnet werden. Der Fokus sollte nach dem Absenden des Prompts im Eingabefeld verbleiben. Das würde beide Probleme beheben.
Die Nutzer*innen sollten die Möglichkeit haben, die Ansicht des Chatbots individuell anzupassen, vor allem was die Farbe des Hintergrunds und die Schrift angeht. Das Etherpad bietet zum Beispiel Nutzende die Auswahl zwischen einer Reihe von Schriften, u.a. auch Open Dyslexic, eine Schrift, die speziell auf die Bedarfe von Menschen mit Leserechtschreibschwäche abgestimmt ist. Vielleicht kann sich der Chatbot an dem Beispiel orientieren.
Lizenzhinweis
Zitiervorschlag
„KI Chatbot ILIAS der Universität zu Köln. Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit.nrw, Technische Universität Dortmund, Stand: März 2026“, Lizenziert unter: CC BY 4.0.
Ausgenommen von der Lizenz sind verwendete Logos, Bilder und Bedienoberflächen.

