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Etherpad


Etherpad Lite ist ein webbasierter Open-Source-Texteditor, der die kollaborative Bearbeitung von Texten in Echtzeit ermöglicht, wobei alle Änderungen sofort und gleichzeitig bei allen anderen Nutzer*innen sichtbar werden. Das Etherpad wird als Plug-in in Moodle und ILIAS zur Verfügung gestellt oder es läuft auf kostenfreien Etherpad-Servern im Web, zum Beispiel ZUMpad. Auch manche Hochschulen bieten Etherpad-Server an. Etherpad wurde 2008 in den USA entwickelt und veröffentlicht, ein Jahr später von Google gekauft. Google veröffentlichte den Quellcode unter eine Apache Lizenz, mittlerweile koordiniert die Etherpad-Foundation die Weiterentwicklung.

Bei der Arbeit auf dem Pad wird allen Nutzer*innen eine Farbe zugeordnet, sodass Änderungen im Text leicht zugeordnet werden können. Das Etherpad bietet eine Chatfunktion an, der Bearbeitungsverlauf kann nachverfolgt werden und Zeilennummern können angezeigt werden. Das Pad kann später als txt-Datei oder in html exportiert werden.

Etherpads ermöglichen es, online leicht und schnell gemeinsam an kurzen Texten, Protokollen oder Gliederungen zu arbeiten oder Ideen zu sammeln. Es ist einfach und weitgehend intuitiv nutzbar, ist aber für die Arbeit an längeren Texten weniger geeignet.

Das Kompetenzzentrum hat Etherpad Lite auf die Barrierefreiheit und Usability für Studierende mit Beeinträchtigungen getestet. Insgesamt fiel das Urteil der Nutzer*innen mit Behinderungen überwiegend positiv aus. Aufgrund des geringen Funktionsumfangs war es für die Nutzer*innen von Screenreader, Zoom-Text, Browser-Vergrößerung und Tastaturbedienung gut zu nutzen. Die Tester*innen waren mit der Nutzung des Etherpad Lite deutlich zufriedener als bei der Echtzeit-Kollaboration auf dem CryptPad.

Das positive Urteil gilt allerdings nicht für die Sprachsteuerung (Voice Control iOS), mit der sich das Etherpad nur sehr eingeschränkt eigenständig nutzen lässt.

Testergebnisse

Stand: Juni 2023

Etherpad Lite ist für Nutzende, die mit Screenreader, Zoom-Text, Vergrößerung oder Tastaturbedienung arbeiten, im Wesentlichen gut nutzbar. Screenreader-Nutzende können mithilfe einiger einstellungsbezogener Hinweise gut mitarbeiten. Im Gegensatz zu anderen Tools wie CryptPad oder TaskCards fiel das Urteil der Screenreader-Testenden positiv aus: „Ich konnte gefühlt alles mitmachen, konnte sehen, was die anderen schreiben, welche Formatierungen sie nutzen und selbst formatieren. Es ging nicht alles, aber im Vergleich zu CryptPad oder Miro hat es echt Spaß gemacht“.

Für Echtzeit-Gruppenarbeiten ist das Etherpad Lite geeignet, wenn es darum geht, kurze Texte oder Gliederungen zu bearbeiten. Die Nutzer*innen können die eigene Ansicht des Etherpads verändern, indem sie die Schrift verändern. Mit Open Dyslexic wird auch eine Schrift angeboten, die besonders bei Lese-Rechtschreib-Schwäche geeignet ist. Die Nutzenden können ihre eigenen Farben ändern und dabei auf lesbare Kontraste achten. Leider können sie die Schriftgröße nicht verändern.

Bei längeren Texten mit vielen verschiedenen Gruppenmitgliedern kann es unübersichtlich werden, da Überschriften nicht semantisch ausgezeichnet werden können.

Die Pads können in verschiedenen Formaten exportiert werden und sind als txt- oder Worddateien mit assistiven Technologien lesbar, sie verfügen natürlich genauso wenig wie das Etherpad über semantisch ausgezeichnete Überschriften.

Übersicht: Usability bei verschiedenen Arbeitstechniken

Hilfsmittel/ArbeitstechnikTestergebnisEmpfehlung
Screenreaderfunktioniert mittelmäßig

o

Tastaturbedienungfunktioniert gut

+

Sprachsteuerung (iOS)funktioniert gut

+

Vergrößerung/Kontrastefunktioniert gut

+

ohne assistive Technologiefunktioniert gut

+

+ = gut geeignet; o = mittelmäßig geeignet, Anpassungen nötig; − = ungeeignet

Hinweise für Nutzer*innen

Ein eigenständiges Navigieren und kollaboratives Bearbeiten funktioniert im Wesentlichen gut, allerdings gibt es einige Einschränkungen. Die Nutzer*innen können schreiben, lesen, selbst formatieren und Formatierungen erkennen. Sie können erkennen, wer mitarbeitet und Chats lesen und schreiben.

Barrieren

  • Die Namen der Teilnehmer*innen werden vorgelesen, JAWS spricht jedoch nicht die fabrliche Kennzeichnung dazu, sodass es nicht möglich ist, zu identifizieren, wer was geschrieben hat. Mit NVDA werden zwar Farben angesagt, allerdings ungenau aus den Farbwerten interpretiert, sodass nicht sicher ist, ob man über die gleichen Textzeilen spricht.
  • Die Zeilennummern sind für Screenreader nicht erkennbar, sodass es nicht einfach ist, schnell eine Zeile zu finden.
  • Bei mehreren unterschiedlichen Formatierungen in einer Zeile wird der Satz von JAWS nicht mehr vollständig vorgelesen.

Hinweise für die Nutzung

  • Man gelangt mit dem Screenreader direkt in den Texteditor.
  • Der Wechsel zwischen Texteditor und Editbar/Formatierungsleiste funktioniert mit dem Shortcut alt + F9.
  • Es gibt eine Reihe von weiteren nützlichen Shortcuts zur effektiven Bedienung des Etherpads, Informationen dazu auf der Accessibility-Seite im Wiki auf der Github-Seite von Etherpad Lite.
  • Der Screenreader erkennt die Farben der Teilnehmer*innen im Texteditor nicht zuverlässig (JAWS erkennt sie gar nicht), auch die Zeilennummern sind unzugänglich. Deshalb wird empfohlen, die Beiträge mit einem Namenskürzel zu kennzeichnen.

Mit der Tastatur lassen sich alle Bereiche erreichen und bedienen. Die Edit-Leisten lassen sich über Shortcuts erreichen
Hinweise für die Nutzung

Mit der Sprachsteuerung ist eine gleichberechtigte Mitarbeit nicht möglich. Die verschiedenen Fenster und Formatierungsschalter können zwar erreicht und bedient werden. Es ist auch möglich, in den Texteditor zu gehen und Text per Diktat einzugeben. Sobald man allerdings beim Schreiben automatisch weiterscrollt, verschwinden alle elementsteuernden Nummern und sie können nicht wieder geladen werden. Im Chat kann gelesen und geschrieben werden.

Barrieren

  • Im Texteditor kann der Cursor nicht gezielt bewegt und es kann nicht gescrollt werden. Deshalb können die Nutzer*innen weder gezielt an einer bestimmten Stelle Text eingeben noch den gesamten Inhalt lesen, wenn dazu scrollen notwendig ist.

Hinweise für die Nutzung

  • Eine eigenständige Nutzung ohne Assistenz oder Umwege ist nicht möglich.
    • Die Nutzer*innen können Text in den Chat eingeben, der von einer anderen Person ins Pad kopiert werden kann.
    • Die Nutzer*innen arbeiten im Tandem, bei dem die Person ohne Sprachsteuerung das Schreiben übernimmt.

Das Etherpad ist mit ZoomText oder Browservergrößerung und Farbinvertierung des Betriebssystems (Windows 10) oder Browser (Firefox) gut zu bedienen. Alle Funktionen sind erreichbar und aktivierbar. Nutzer*innen können sich die eigene Ansicht des Etherpads nach ihren Bedürfnissen anpassen.

Barrieren

  • Die Schrift kann nicht vergrößert werden.
  • Bei Zoomtext wird der Cursor nicht mit vergrößert.
  • Es gibt keine Autokorrekturfunktion.
  • Ab einer gewissen Vergrößerung verdeckt der Sticky Header von Moodle und ILIAS große Teile des Etherpads (Screenshot). Der Vollbildmodus ist bei starker Vergrößerung die bessere Alternative.

Hinweise für die Nutzung

  • Die Nutzer*innen können ihre Textfarbe ändern, sodass die Kontraste gut lesbar sind.
  • Die Nutzer*innen können die Darstellung individuell anpassen, eine gut lesbare Schrift auswählen, die Farben der anderen Teilnehmer*innen sowie die Fenster für den Chat und die Teilnehmer*innen aus- oder einblenden.
  • Ab einer Vergrößerung von 200 % bietet der Vollbildmodus eine bessere Darstellung.
Screenshot: Ansicht des Etherpads bei ILIAS bei 200%iger Vergrößerung

Hinweise für Lehrende

  • Wenn in Ihrer Lerngruppe Studierende sind, die die Sprachsteuerung nutzen, ist eine Echtzeit-Gruppenarbeit mit dem Etherpad schwierig. Die Studierende können in Paaren arbeiten, indem eine Person der anderen diktiert. In diesem Fall empfiehlt es sich, dass die gesamte Gruppe paarweise arbeitet und nicht nur die Studierenden, die auf Assistenz angewiesen sind.
  • Weisen Sie die Studierenden darauf hin, dass sie bei der Wahl ihrer Textfarbe auf einen guten Kontrast achten.
  • Weisen Sie die Studierenden darauf hin, dass sie ihre eigene Ansicht selbst gestalten können, indem sie eine passende Schrift auswählen, die Farbe der Teilnehmer*innen sowie das Chat- und das Teilnehmer*innen-Fenster ein- oder ausblenden können.

Lizenzhinweis

Zitiervorschlag
„Etherpad Lite - Ergebnisse der Barrierefreiheits- und Usabiltytests und Empfehlungen zum Einsatz in Studium und Lehre. Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit.nrw, Technische Universität Dortmund, Stand: Juni 2023“, Lizenziert unter: CC BY 4.0. 

Ausgenommen von der Lizenz sind verwendete Logos, Bilder und Bedienoberflächen.

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