Slido
Slido ist ein webbasiertes Audience-Response-System, das verschiedene Möglichkeiten der Interaktion mit Lerngruppen bietet. Es ermöglicht Live-Umfragen – sogenannte Polls –, Wortwolken, Quizze mit Leaderboard, Q&A-Sessions sowie Surveys. Surveys sind zusammengesetzte Umfragen aus mehreren Fragetypen, die im Unterschied zum Quiz-Modus auch asynchron bereitgestellt werden können, sodass Teilnehmende sie im eigenen Tempo bearbeiten.
Slido wurde 2012 in der Slowakei gegründet und gehört seit 2021 zu Cisco. Die Plattform lässt sich in gängige Videokonferenz- und Präsentationstools wie Webex, Microsoft Teams, PowerPoint und Google Slides integrieren. Die Teilnahme erfolgt über einen Link oder QR-Code im Browser über app.sli.do, ohne dass eine Installation erforderlich ist. Ein Login ist für die Teilnahme nicht nötig.
Die verfügbaren Interaktionstypen für Teilnehmende umfassen: Multiple Choice (einfach und mehrfach), Wortwolke, offene Textfrage, Bewertung als Rating mit Sternen oder Emojis, Ranking, Quiz mit Leaderboard sowie Q&A. Mehrere Fragetypen können zu einem Survey zusammengefasst werden. In der kostenlosen Version sind einige Funktionen eingeschränkt.
Das Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit.nrw hat bereits mehrere ARS-Tools auf Barrierefreiheit und Usability getestet, darunter Mentimeter, Wooclap, Particify, ILIAS Live Voting und die Zoom-Umfrage. Eine Übersicht über die bisherigen Testergebnisse und didaktische Empfehlungen für den barrierefreien Einsatz von ARS-Tools in der Lehre bietet der Blogbeitrag „Umfragetools in der digitalen Lehre“ (Stand: Juli 2024). Der vorliegende Bericht ergänzt diese Reihe um die Testung von Slido.
Cisco veröffentlicht für Slido ein Voluntary Product Accessibility Template – VPAT – auf der Cisco-Webseite (Stand: Dezember 2025). Das Dokument dokumentiert den Konformitätsstand nach Section 508 und WCAG 2.1. Die Selbstauskunft weist aus, dass Slido die WCAG 2.1 AA-Kriterien nicht vollständig erfüllt, sondern in mehreren Bereichen nur teilweise unterstützt. Eine Barrierefreiheitserklärung nach europäischem Standard – EN 301 549 – liegt nicht vor.
Slido gibt auf seiner Community-Seite an, dass die primären Funktionen wie das Beitreten zu einer Session, das Stellen von Fragen und die Teilnahme an Umfragen mit Screenreadern auf Desktop-Computern zugänglich seien.
Die Testergebnisse
Stand: Februar 2026
Die grundlegenden Interaktionstypen von Slido – Multiple Choice, Wortwolke, offene Frage, Rating mit Sternen und Q&A – sind überwiegend gut bedienbar und wurden von den Tester*innen positiv bewertet. Die Testpersonen bewerteten das Tool insgesamt positiv; ein Tester bezeichnete es als „übersichtlich und einfach“.
Ein zentrales Problem für Screenreader ist der Sprachwechsel zwischen der englischen Benutzeroberfläche und den deutschsprachigen Inhalten der Interaktion. Die Slido-Seite ist standardmäßig auf Englisch eingestellt, sodass Screenreader und Sprachausgaben ständig zwischen den Sprachen wechseln müssen. Ein Screenreader-Tester bewertete Slido deshalb mit 3 und bemerkte, dass er bei einer deutschen Oberfläche eine 4 vergeben würde.
Weitere wesentliche Befunde sind: Der Quiz-Modus lässt keine selbstständige Bearbeitung aller Fragen hintereinander zu, da die Moderator*in die Fragen einzeln freigeben muss. Im Highscore des Quizzes fließt die Antwortgeschwindigkeit ein, was Personen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche und Screenreader-Nutzer*innen benachteiligt. Surveys hingegen können asynchron bereitgestellt werden und ermöglichen die Bearbeitung im eigenen Tempo. Das Leaderboard wird von VoiceOver und Screenreadern nicht wahrgenommen. Die Ergebnisdarstellung ist gut zugänglich: Bei der Wortwolke liest der Screenreader eine Liste mit der Anzahl der Nennungen vor, bei Multiple Choice werden Prozentwerte und die meistgenannte Antwort angesagt.
Wir haben die Teilnehmendenansicht von Slido getestet, nicht das Autorentool zur Erstellung der Umfragen und Quizze. Die getesteten Interaktionstypen umfassen:
- Wortwolke
- Multiple Choice (einfach und mit mehreren Antworten, teilweise mit Bild)
- Offene Frage
- Ranking
- Rating (Sterne und Emojis)
- Quiz mit Leaderboard (ohne und mit Zeitlimit)
- Q&A (Fragen stellen und bewerten)
Am Gruppentest nahmen fünf Tester*innen teil, die mit verschiedenen Arbeitstechniken und Endgeräten – Smartphones und Computern – arbeiteten.
Im Mittelpunkt unserer Tests steht die Perspektive der Nutzenden. Wir testen die Anwendungen mit geschulten studentischen Hilfskräften mit unterschiedlichen Behinderungsprofilen. Die Tester*innen arbeiten entsprechend ihrer unterschiedlichen Behinderungsprofile mit verschiedenen Arbeitstechniken:
- Blindheit und Sehbeeinträchtigung
- Screenreader-Nutzung: JAWS und NVDA auf Windows-Rechnern, VoiceOver auf iPhones
- Vergrößerung mit Browser und Vergrößerungssoftware, iPhone mit iOS-Zoom
- Neurodivergenz und Teilleistungsstörungen
- Sprachausgabe, Darkreader und weitere individuelle Anpassungen
- Motorische Beeinträchtigungen
- Tastaturbedienung
Der Gruppentest fand am 10. Februar 2025 statt. Getestet wurde über die Webanwendung unter app.sli.do im Browser und auf Smartphones. Der Zugang erfolgte über einen Veranstaltungscode mit Passcode. Der Slido-Zugang wurde von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zur Verfügung gestellt.
Übersicht: Usability bei verschiedenen Arbeitstechniken
| Hilfsmittel/Arbeitstechnik | Testergebnis | Empfehlung |
|---|---|---|
| Screenreader | funktioniert gut; Sprachwechsel Englisch–Deutsch für Screenreader problematisch | + |
| Vergrößerung/Kontraste | funktioniert gut; Sticky Header bei starker Vergrößerung problematisch | + |
| Tastaturbedienung | funktioniert gut; Ranking-Fragetyp erschwert | + |
| Neurodivergenz und Teilleistungsstörungen (je nach Bedarf unterschiedliche Funktionen der erleichterten Bedienung) | funktioniert gut; Quiz-Modus mit Zeitlimit erzeugt Zeitdruck | + |
+ = gut geeignet; o = mittelmäßig geeignet, Anpassungen nötig; − = ungeeignet
Übersicht: Fragetypen und Hilfstechnologien
| Interaktionstyp | Screenreader | Vergrößerung | Tastatur | Neurodivergenz |
|---|---|---|---|---|
| Wortwolke | + | + | + | + |
| Multiple Choice | + | + | + | + |
| Offene Frage | + | + | + | + |
| Ranking | o | + | − | o |
| Rating Sterne | + | + | + | + |
| Rating Emojis | o | o | o | o |
| Quiz ohne Zeitlimit | o | o | o | o |
| Quiz mit Zeitlimit | − | − | − | − |
| Q & A | + | + | + | + |
| Survey (zeitunabhängig) | + | + | + | + |
+ = gut geeignet; o = mittelmäßig geeignet, Anpassungen nötig; − = ungeeignet
Hinweise für Nutzer*innen
Die grundlegenden Interaktionstypen wie Multiple Choice, offene Textantworten, Q&A und Wortwolke lassen sich mit Screenreadern und VoiceOver bedienen. Die Ergebnisdarstellung ist im Vergleich besser zugänglich als bei vielen anderen ARS-Tools: Der Screenreader liest bei der Wortwolke eine Liste mit Anzahl der Nennungen vor, bei Multiple Choice werden Prozentwerte und die meistgenannte Antwort angesagt. Auch Aktualisierungen der Ergebnisse werden nach dem Neuladen des Bildschirms vorgelesen.
Barrieren
- Der Sprachwechsel zwischen der englischen Benutzeroberfläche und den deutschsprachigen Inhalten erzeugt erhebliche Probleme. Screenreader müssen ständig zwischen den Sprachen wechseln, was das Vorlesen deutlich erschwert. Die Oberflächenelemente – etwa Schaltflächen, Navigationshinweise und Statusmeldungen – werden auf Englisch ausgegeben, während die Fragen und Antworten auf Deutsch erscheinen.
- Das Leaderboard des Quiz-Modus wird von VoiceOver und Screenreadern nicht in der korrekten Reihenfolge wahrgenommen. Die Platzierung und das Ergebnis werden übersprungen oder in falscher Reihenfolge vorgelesen.
- Im Quiz-Modus gibt es kein eindeutiges akustisches Feedback, dass die eigene Antwort abgeschickt wurde. Der Absende-Schalter wird lediglich ausgegraut.
- Beim Wechsel der Quizfragen wurde der Fragenwechsel von einigen VoiceOver-Nutzenden nicht bemerkt. VoiceOver liest bei Quizfragen wiederholt die Frage vor, sodass Nutzer*innen den Sprecher aktiv verstummen lassen und nach Veränderungen auf dem Bildschirm suchen müssen.
- Bei Multiple Choice mit Bild wurde ein Konflikt mit der automatischen Bilderkennung des Screenreaders festgestellt. Die automatische Bilderkennung versucht, Bilder zu beschreiben, und überschreibt dabei den von der Lehrperson hinterlegten Alternativtext. Nachdem die automatische Bilderkennung deaktiviert wurde, funktionierte die gesamte Bedienung von Slido deutlich besser und der hinterlegte Alternativtext wurde korrekt vorgelesen.
- Beim Ranking ist die Bedienung mit VoiceOver umständlich. Es sind mehrere Handlungsschritte nötig, um die Reihenfolge zu ändern. Positiv wurde bemerkt, dass die Rangzuordnung angesagt wird.
- Die Q&A-Funktion war nicht sofort auffindbar. Der Wechsel zwischen dem Q&A- und dem Polls-Reiter muss aktiv gesucht werden.
Positive Befunde
- Die Ergebnisdarstellung bei der Wortwolke ist für Screenreader als Liste mit Anzahl der Nennungen zugänglich. Die drei meistgenannten Antworten werden priorisiert vorgelesen.
- Bei Multiple Choice werden Prozentwerte, die meistgenannte Antwort und die eigene Antwort angesagt. Automatische Aktualisierungen der Ergebnisse werden von VoiceOver angekündigt.
- Rating mit Sternen funktioniert gut. Die Ansage lautet zum Beispiel „1 of 5“ und die eigene Auswahl wird als „you voted for“ bestätigt.
- Der Start der Umfrage und Statusmeldungen wie „Voting starts by the host“ wurden von VoiceOver angesagt.
Hinweise für die Nutzung
- Bei Problemen mit dem Vorlesen der Fragen und Antworten prüfen Sie, ob die automatische Bilderkennung des Screenreaders deaktiviert ist. Dies kann Konflikte mit Slido verursachen.
- Bitten Sie die Moderator*in, die Ergebnisse mündlich zusammenzufassen, insbesondere das Leaderboard des Quizzes.
- Der Wechsel zwischen Q&A und Polls erfolgt über Reiter am oberen Bildschirmrand.
Slido lässt sich mit der Tastatur überwiegend gut bedienen. Die meisten Interaktionstypen können mit Tab, Enter und Leertaste angesteuert und ausgefüllt werden. Der Tastaturfokus funktioniert dabei in den meisten Bereichen zuverlässig.
Barrieren
- Der Ranking-Fragetyp basiert auf einer Drag-and-Drop-Interaktion und ist mit der Tastatur schwer bedienbar. Es sind viele Handlungsschritte nötig, um die Reihenfolge zu ändern – beispielsweise vier Schritte, um einen Eintrag von Rang 2 auf Rang 1 zu verschieben.
- Bei Tastaturbedienung sind einige Fokusindikatoren laut der VPAT-Selbstauskunft von Cisco nicht ausreichend kontrastreich. Es fehlen teilweise Konturen an einer oder mehreren Seiten der Fokusmarkierung.
Positive Befunde
- Der Tastaturfokus funktioniert bei den grundlegenden Interaktionstypen – Multiple Choice, Wortwolke, offene Frage, Rating, Q&A – zuverlässig.
Slido lässt sich mit Vergrößerungstechniken im Browser überwiegend bedienen. Die Oberfläche ist responsiv gestaltet und passt sich an verschiedene Bildschirmgrößen an. Allerdings treten bei stärkerer Vergrößerung spezifische Probleme auf.
Barrieren
- Der Sticky Header – die obere Menü- und Navigationsleiste – verschwindet bei starker Vergrößerung nicht, obwohl er es ab einer bestimmten Vergrößerungsstufe tun sollte. Er nimmt dadurch einen erheblichen Teil des sichtbaren Bereichs ein und schränkt den Zugang zu den darunter liegenden Inhalten ein. Bei sehr starker Vergrößerung kann der Bereich für die Fragen und Antworten so weit verkleinert werden, dass eine Bearbeitung kaum möglich ist.
- Bilder in Multiple-Choice-Fragen verpixeln beim Vergrößern, wenn sie in niedriger Auflösung eingebunden sind. Lehrende sollten daher Bilder in hoher Auflösung verwenden.
- Bei Tastaturbedienung sind einige Fokusindikatoren laut der VPAT-Selbstauskunft von Cisco nicht ausreichend kontrastreich. Es fehlen teilweise Konturen an einer oder mehreren Seiten der Fokusmarkierung.
- Die Schrift in der Slido-Oberfläche ist insgesamt dünn; bei der blauen Farbe einzelner Oberflächenelemente wurde von Tester*innen angemerkt, dass sie besser lesbar sein könnte.
Hinweise für die Nutzung
- Je nach Präferenz kann es hilfreich sein, einen größeren Bildschirm zu nutzen, um eine bessere Übersicht zu behalten.
- Bitten Sie die Lehrperson, die Ergebnisse mündlich zusammenzufassen.
Neurodivergenz und Teilleistungsstörungen wirken sich sehr individuell aus. Die Rückmeldungen aus dem Test sind daher nicht automatisch auf alle Personen in gleicher Ausprägung übertragbar. Die wiederkehrenden Beobachtungen zeigen dennoch typische Barrieren und geben Hinweise für eine barrierefreie Gestaltung.
Slido ist für Personen mit Neurodivergenz und Teilleistungsstörungen – etwa ADHS, Autismus oder Lese-Rechtschreib-Schwäche – überwiegend gut bedienbar. Die grundlegenden Interaktionstypen sind übersichtlich und intuitiv gestaltet. Spezifische Herausforderungen ergeben sich insbesondere beim Quiz-Modus.
Barrieren
- Im Quiz-Modus gibt die Moderator*in die Fragen nacheinander frei. Es kann für jede einzelne Frage ein Zeitlimit eingestellt werden. Dies erzeugt Zeitdruck, der für Personen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, ADHS oder Konzentrationsschwierigkeiten besonders belastend ist.
- In den Highscore fließt nicht nur die Korrektheit, sondern auch die Geschwindigkeit der Antwort ein. Personen, die mehr Zeit zum Lesen und Verarbeiten von Fragen benötigen, werden dadurch systematisch benachteiligt.
- Der Quiz-Modus erfordert die Teilnahme unter Moderation. Quizze, bei denen Teilnehmende die Fragen im eigenen Tempo bearbeiten, sind nicht möglich. Lediglich Surveys können asynchron bereitgestellt werden.
Positive Befunde
- Die grundlegenden Interaktionstypen sind übersichtlich und intuitiv bedienbar. Multiple Choice, Rating und offene Fragen wurden von allen Tester*innen positiv bewertet.
- Die eigene Antwort wird jeweils mit einem Personensymbol gekennzeichnet, was die Übersicht erleichtert.
- Bei der Mehrfachauswahl wird ein Haken angezeigt, der die Auswahl deutlich macht.
Hinweise für die Nutzung
- Wenn Sie im eigenen Tempo arbeiten möchten, bitten Sie die Lehrperson, statt eines Quizzes einen asynchronen Survey einzusetzen.
- Probieren Sie aus,welches Endgerät die beste Übersicht bietet. Für manche kann es hulfreich sein, ein größeres Endgerät zu nutzen.
Im Folgenden werden die Testergebnisse zu den einzelnen Interaktionstypen zusammengefasst, sofern sie über die bereits nach Hilfstechnologie dargestellten Befunde hinausgehen.
Wortwolke
Die Wortwolke war von allen Teilnehmenden bedienbar. Die Eingabe und das Absenden von Antworten funktionierten zuverlässig. Die Ergebnisdarstellung unterscheidet sich je nach Arbeitstechnik: Für Sehende wird nur eine Wortwolke angezeigt, bei der die Häufigkeit an der Wortgröße abgelesen werden muss. Für Screenreader-Nutzer*innen werden die Ergebnisse als Liste mit Anzahl der Nennungen ausgegeben, was positiv bewertet wurde. Bei neuen Einträgen werden zunächst die neuen Antworten vorgelesen, dann die Gesamtliste. Bei großen Veranstaltungen empfehlen die Tester*innen, dass besser zuerst die meistgenannten und dann die neuen Einträge vorgelesen würden.
Multiple Choice
Multiple Choice wurde von allen Teilnehmenden als übersichtlich und einfach bewertet. Die Auswahl ist intuitiv, die meistgenannte Antwort wird farblich hervorgehoben, und die prozentuale Verteilung ist sichtbar. Für Screenreader-Nutzer*innen werden Prozentwerte und die meistgenannte Antwort angesagt. Aktualisierungen der Ergebnisse werden von VoiceOver angekündigt. Der Unterschied zwischen Einfach- und Mehrfachauswahl wird durch verschiedene Kästchenformen (Radiobutton bzw. Checkbox) dargestellt und vom Screenreader angesagt. Ob Mehrfachauswahl möglich ist, wurde von einigen Sehenden allerdings eher an der Frageformulierung als an der Kästchenform erkannt. Bilder in Fragen wurden mit Alternativtext vorgelesen, sofern die automatische Bilderkennung des Screenreaders deaktiviert war. Für die Vergrößerung ist eine hohe Bildauflösung erforderlich, da Bilder sonst verpixeln.
Offene Frage
Offene Fragen waren für alle Arbeitstechniken bedienbar. Die Antworten aller Teilnehmenden werden als Liste angezeigt. Screenreader lesen die einzelnen Einträge vor, allerdings ohne Zusammenfassung der Häufigkeiten. Die Wortwolke wurde daher als besser geeignet bewertet, wenn eine Zusammenfassung der Antworten gewünscht ist, da dort die Anzahl der Nennungen automatisch aggregiert wird. Die offene Frageliste eignet sich dagegen für individuelle Antworten, bei denen keine Aggregation sinnvoll ist.
Ranking
Der Ranking-Fragetyp war der am schwierigsten zugängliche Interaktionstyp. Die Bedienung erfordert eine Drag-and-Drop-Interaktion, die mit Tastatur und Screenreader umständlich ist. Mehrere Handlungsschritte sind nötig, um einen Eintrag zu verschieben. Positiv wurde bemerkt, dass die Rangzuordnung vom Screenreader angesagt wird. Auch für Sehende war die Bedienung nicht sofort intuitiv: Mehrere Tester*innen fanden die Sortierung zunächst unklar; ein Hinweis, dass es um Sortieren geht, wurde als sinnvoll empfohlen.
Rating
Rating mit Sternen funktionierte für alle Arbeitstechniken gut und wurde sehr positiv bewertet. Die Darstellung mit Durchschnittswert, Balken und farblicher Hervorhebung des häufigsten Werts wurde als klar und übersichtlich empfunden. Screenreader sagen die Auswahl und das Ergebnis an. Bei Rating mit Emojis war die Bedienung grundsätzlich möglich, aber die Beschreibung der Emojis durch Screenreader ist im deutschen Sprachmodus weniger eindeutig als bei Sternen. Alle Tester*innen sprachen sich eindeutig für Sterne statt Emojis aus.
Quiz-Modus
Der Quiz-Modus wurde mit und ohne Zeitlimit getestet. Er stellt die größte Herausforderung für die Barrierefreiheit dar.
- Der Quiz-Modus lässt keine selbstständige Bearbeitung zu. Die Moderator*in muss die Fragen einzeln freigeben und weiterklicken. Teilnehmende können die Fragen nicht im eigenen Tempo bearbeiten. Surveys können im Unterschied dazu zeitunabhängig bereitgestellt werden.
- In den Highscore fließt die Antwortgeschwindigkeit ein. Selbst beim Quiz ohne Zeitlimit wurde von der Moderator*in festgestellt, dass der Highscore auch die Antwortzeit berücksichtigt.
- Es gibt kein eindeutiges Feedback, dass die eigene Antwort abgeschickt wurde. Der Absende-Schalter wird lediglich ausgegraut und in die Vergangenheitsform geändert.
- Der Wechsel der Quizfragen wurde von einigen Screenreader-Nutzer*innen nicht bemerkt.
- Das Leaderboard wird von VoiceOver und Screenreadern nicht in der korrekten Reihenfolge wahrgenommen.
- Bei Rückmeldungen zu richtigen und falschen Antworten funktioniert die Anzeige für Sehende gut. Screenreader-Nutzer*innen erhalten teilweise die Rückmeldung, ob die Antwort korrekt war.
Q&A
Die Q&A-Funktion war für die meisten Teilnehmenden bedienbar. Fragen können gestellt, beantwortet und mit einem Upvote bewertet werden. Einige Tester*innen fanden die Funktion nicht sofort, da der Wechsel zwischen Q&A und Polls über Reiter erfolgt, die aktiv gesucht werden müssen. Der Ask-Schalter zum Stellen einer neuen Frage wurde von einzelnen Tester*innen übersehen. Lehrende sollten daher kurz auf die Bedienung hinweisen.
Empfehlungen für Lehrende
Slido ist überwiegend zugänglich und im Vergleich zu vielen anderen ARS-Tools positiv zu bewerten. Bitte beachten Sie folgende Hinweise bei der Gestaltung Ihrer Veranstaltungen. Für allgemeine Empfehlungen zum barrierefreien Einsatz von ARS-Tools verweisen wir auf den Blogbeitrag „Umfragetools in der digitalen Lehre“.
Quiz-Modus und Survey
- Der Quiz-Modus lässt keine selbstständige Bearbeitung zu. Die Moderator*in muss die Fragen einzeln freigeben. Wenn Sie eine Wissensabfrage im eigenen Tempo ermöglichen möchten, nutzen Sie stattdessen einen Survey. Surveys können zeitunabhängig bearbeitet werden und erzeugen keinen Zeitdruck. Allerdings können im Survey keine richtigen Antworten gegeben werden. Es eignet sich deshalb nicht für Wissensabfragen.
- Der Highscore im Quiz berücksichtigt die Antwortgeschwindigkeit. Dies benachteiligt Personen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche und Screenreader-Nutzer*innen. Verzichten Sie daher auf die Anzeige des Highscores oder kommunizieren Sie transparent, dass der Highscore kein Maßstab für das Wissen der Teilnehmenden ist.
- Das Zeitlimit muss für jede einzelne Quizfrage separat eingestellt werden. Wenn Sie ein Zeitlimit verwenden, wählen Sie eine großzügige Zeitspanne. Bevorzugt sollten Sie auf Zeitlimits verzichten und die Stimmabgabe durch mündliche Ansage beenden.
Fragetypen
- Vermeiden Sie den Ranking-Fragetyp, wenn Studierende mit motorischen Einschränkungen oder Screenreader-Nutzer*innen in Ihrer Lerngruppe sind.
- Formulieren Sie Fragen so, dass klar wird, ob eine Einfach- oder Mehrfachauswahl erwartet wird, und ob es um eine Sortierung geht.
- Bei Rating-Fragen bevorzugen Sie Sterne gegenüber Emojis. Die Tester*innen empfanden Sterne als deutlich einfacher zu bedienen, insbesondere mit Screenreadern.
Ergebnisdarstellung
- Beschreiben und verbalisieren Sie die Ergebnisse immer mündlich. Dies gilt insbesondere für das Leaderboard des Quizzes, das von Screenreadern nicht korrekt wahrgenommen wird. Verzichten Sie nicht auf Wortwolken, aber verbalisieren Sie die meistgenannten Begriffe und deren Häufigkeit, da die visuelle Darstellung der Wortwolke die Häufigkeit nur über die Wortgröße anzeigt.
Erklärungen und Anleitungen
- Geben Sie den Studierenden eine kurze Anleitung zu Slido. Erklären Sie insbesondere den Wechsel zwischen Q&A und Polls, die Bedienung des Ranking-Fragetyps und die Bedeutung der Personensymbole bei der eigenen Antwort.
- Verwenden Sie Bilder in hoher Auflösung, damit sie beim Vergrößern nicht verpixeln, und schreiben Sie für jedes Bild einen Alternativtext.
- Weisen Sie Screenreader-Nutzer*innen darauf hin, dass die automatische Bilderkennung ihres Screenreaders Konflikte mit Slido verursachen kann und gegebenenfalls deaktiviert werden sollte.
- Erlauben Sie, wenn möglich, die anonyme Teilnahme. Beachten Sie, dass der Quiz-Modus eine Namenseingabe erfordert.
Empfehlungen für Hochschulen
Slido wird nicht von der Hochschule selbst gehostet, sondern als Cloud-Dienst von Cisco bereitgestellt. Hochschulen haben daher keinen Einfluss auf die technische Umsetzung der Barrierefreiheit. Dennoch können sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Nehmen Sie die Hinweise für Lehrende in Ihre Informationsseiten zum Einsatz von ARS-Tools auf.
- Weisen Sie in der Barrierefreiheitserklärung unter nicht barrierefreien Inhalten auf die bekannten Einschränkungen hin, insbesondere auf den Sprachwechsel Deutsch–Englisch, die fehlende selbstständige Bearbeitung im Quiz-Modus, die geschwindigkeitsabhängige Bewertung im Highscore und das nicht zugängliche Leaderboard.
- Prüfen Sie bei der Beschaffung von ARS-Tools die Barrierefreiheit anhand der VPAT-Dokumentation und fordern Sie eine Barrierefreiheitserklärung nach EN 301 549 ein.
- Fordern Sie Cisco bzw. Slido auf, eine vollständige deutsche Lokalisierung der Oberfläche bereitzustellen, da der Sprachwechsel das Vorlesen mit Screenreadern erheblich erschwert.
Hinweise für Entwickler*innen
Wir führen die in den Tests gefundenen Barrieren hier sortiert nach den Richtlinien der gültigen europäischen Norm EN 301 549 auf, auf die die BITV 2.0 des Bundes und der Länder verweisen. Die Richtlinien beschreiben die zu erfüllenden Erfolgskriterien. In der WCAG 2.2 sind zusätzlich Techniken angegeben, wie die Kriterien erfüllt werden können. BITV, EN 301 549 und die WCAG 2.2 sind deshalb wichtige Dokumente für die Entwickler*innen, um ihre Anwendungen barrierefrei zu programmieren. Der ARIA Authoring Practices Guide der W3C gibt zudem Hinweise zur Programmierung barrierefreier Webseiten. Die Nummern der Überschriften entsprechen den Kapitelnummern der EN 301 549.
9.1 Wahrnehmbar
9.1.4 Unterscheidbar
9.1.4.10 Inhalte brechen um
Der Sticky Header der Slido-Oberfläche verschwindet bei starker Vergrößerung nicht und nimmt dadurch einen erheblichen Teil des sichtbaren Bereichs ein. Die Inhalte sollten so umbrochen werden, dass sie auch bei starker Vergrößerung vollständig erreichbar bleiben. Der Sticky Header sollte ab einer bestimmten Vergrößerungsstufe ausgeblendet oder minimiert werden.
9.1.4.11 Kontraste von Grafiken und grafischen Bedienelementen ausreichend
Einige Fokusindikatoren sind laut der VPAT-Selbstauskunft von Cisco nicht ausreichend kontrastreich. Die Schrift der Oberfläche ist dünn und die blaue Farbe einzelner Elemente wurde von Tester*innen als schwer lesbar empfunden. Alle interaktiven Elemente sollten ein Kontrastverhältnis von mindestens 3:1 aufweisen.
9.2 Bedienbar
9.2.1 Tastaturbedienbar
9.2.1.1 Ohne Maus bedienbar
Der Ranking-Fragetyp basiert auf Drag-and-Drop und ist mit der Tastatur nur umständlich bedienbar. Es sind mehrere Handlungsschritte nötig, um einen Eintrag zu verschieben. Es sollten ARIA-konforme Alternativen für Drag-and-Drop bereitgestellt werden, etwa Schalter zum Hoch- und Herunterschieben einzelner Einträge.
9.2.4 Navigierbar
9.2.4.7 Aktuelle Position des Fokus deutlich
Der Tastaturfokus funktioniert bei den grundlegenden Interaktionstypen zuverlässig. Bei einigen Oberflächenelementen fehlen laut VPAT jedoch Konturen an einer oder mehreren Seiten des Fokusindikators. Alle interaktiven Elemente sollten einen vollständigen und kontrastreichen Fokusindikator erhalten.
9.3 Verständlich
9.3.1 Lesbar
9.3.1.2 Sprache der Teile
Die Benutzeroberfläche von Slido ist in englischer Sprache, während die Inhalte der Lehrperson auf Deutsch erscheinen. Dieser Sprachwechsel wird nicht durch lang-Attribute im HTML-Code gekennzeichnet, sodass Screenreader die Sprache nicht korrekt wechseln. Die englischen Oberflächenelemente werden mit deutscher Aussprache vorgelesen und umgekehrt. Eine korrekte Sprachauszeichnung aller Oberflächenelemente und Inhaltsbereiche ist erforderlich.
9.4 Robust
9.4.1 Kompatibel
9.4.1.2 Name, Rolle, Wert verfügbar
Beim Quiz-Modus fehlt ein eindeutiges Feedback, dass die Antwort abgeschickt wurde. Die Statusmeldungen sollten als ARIA-Live-Regionen implementiert werden.
9.4.1.3 Statusmeldungen programmatisch verfügbar
Die Aktualisierung der Ergebnisse bei Wortwolken und Multiple Choice wird von VoiceOver nach dem Neuladen angekündigt, was positiv zu bewerten ist. Das Leaderboard im Quiz-Modus wird jedoch nicht korrekt vorgelesen. Beim Wechsel der Quizfragen fehlt eine zuverlässige Statusmeldung, sodass Screenreader-Nutzer*innen den Fragenwechsel nicht bemerken. Die Statusmeldungen für das Leaderboard und den Fragenwechsel sollten als ARIA-Live-Regionen implementiert werden.
- Eine vollständige deutsche Lokalisierung der gesamten Oberfläche sollte bereitgestellt werden, nicht nur als Option in den Einstellungen für registrierte Nutzer*innen.
- Der Quiz-Modus sollte um eine Option für die selbstständige Bearbeitung im eigenen Tempo erweitert werden – analog zur Survey-Funktion.
- Die Einberechnung der Antwortgeschwindigkeit in den Highscore sollte optional abschaltbar sein.
- Für die Wortwolke sollte ergänzend eine tabellarische oder numerische Darstellung angeboten werden, die auch visuell die Häufigkeiten zeigt.
- Der Sticky Header sollte bei starker Vergrößerung automatisch ausgeblendet oder minimiert werden, um den sichtbaren Inhaltsbereich nicht unnötig einzuschränken.
Lizenzhinweis
Zitiervorschlag
„Audience Response Systeme - Ergebnisse der Barrierefreiheits- und Usability-Tests und Empfehlungen zum Einsatz in Studium und Lehre. Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit.nrw, Technische Universität Dortmund, Stand: Februar 2026“, Lizenziert unter: CC BY 4.0.
Ausgenommen von der Lizenz sind verwendete Logos, Bilder und Bedienoberflächen.

